Wir befinden uns im Busterminal von Santa Cruz de la Sierra, als die Reise nun wirklich beginnt. Noch sind wir in Bolivien und ein gewisses Gefuehl von Vertrautheit zu diesem Land laesst sich nicht leugnen. Doch nun steht mir eine einmonatige Rundreise bevor, in der ich knapp 4000 km zuruecklegen werde und Eindruecke von der Vielseitigkeit Suedamerikas sammeln kann, die mir in Bolivien alleine verschlossen geblieben waeren. Unsere Ziellaender heissen Paraguay, Brasilien und Argentinien.
Wir betreten den Bus, der uns in den naechsten 24 Stundenscher ueber eine heikle Route in die paruayische Hauptstadt Asunción transportieren soll. Unsere Erwartungen, die man hier an einen 50 Dollar teuren Bus so im Allgemeinen stellt, werden grandios unterboten. Es ist super eng, die angekuendigte Klimaanlage fehlt, bei gleichzeitig unertraeglicher Hitze. Das Buspersonal besteht aus vier etwas diletantisch wirkenden, Cowboystiefel tragenden Herren, die zu alledem noch betrunken wirken. Nun gut, wir lassen uns nicht beirren. Wieder einmal amuesiert ueber bolivianische “Unfaehigkeit” beginnt die Fahrt auf der der Trans-Chaco-Road.
Der Chaco ist eine ziemlich unfruchtbare, von undurchdringbaren Dornenhecken bewachsene Region, die grosse Teile Paraguays und Boliviens einnimmt. Wer in der “gruenen Hoelle” lebt, muss Hoechsttemperaturen von ueber 44˚C ertragen koennen. Heute sind es deshalb fast nur noch, von der Zivilisation abgeschnittene Mennoniten, die den Chaco als ihren Lebensraum begreifen. Ihnen ist die Region insofern dienlich, als dass sie die Einsamkeit suchen, um ausschliesslich nach den Regeln Gottes leben zu koennen. Neben ihnen finden sich Guaraní-Indianer, die sich ebenso im Chaco zuhause fuehlen.
Umso besser, dass auch wir nun unsere Gedanken daran verschwenden duerfen, in dieser Einoede laenger als geplant auszuharren. Es sind die besonderen Fahrkuenste des Herren am Steuer, die uns mit einmaliger Intensitaet aus dem Schlaf reissen. Er scheint sich mit einer Kurve vertan zu haben, sodass wir nun von einem Dickkicht aus Gestruepp und Dornenbueschen umgeben sind, waehrend die Reifen langsam aber sicher im Schlamm versinken. Wir verlassen lieber den Bus, als dieser versucht, sich mit voller Motorleistung aus seiner Misere zu befreien. Den Gedanke, das dieser schlicht auf die Seite umkippt, koennen wir bei aller Vernunft nicht ausschliessen. Es folgt ein belustigendes Schauspiel, welches nur zu typisch ist, fuer das Land, in dem ich meinen Zivi ableiste. Mit blossen Haenden (zum Graben), Stoecken und einem Seil, macht sich unser Buspersonal daran, das tonnenschwere Gefaehrt aus dem Schlamm zurueck auf die Strasse zu holen. Eine Schaufel in der Ausruestung waere hilfreich gewesen… Mit jeder Minute die wir warten, verlieren wir an Hoffnung heute Nacht noch nach Paraguay zu gelangen. Geplagt von der Hitze, sowie einer Menge penetranten Moskitos, verlieren sich die letzten Spaesseleien in missmutiger Schweigsamkeit…
Erstaunlicherweise gelingt den Herren nach einiger Zeit, das mittlerweile fur unmoeglich Gehaltene, sodass die baldige Ankunft in Paraguay als gesichert scheint.
Noch bei Nacht erreichen wir die „Grenzstation“. Bei schummrigen Fackellicht folgen wir Trampelpfaden, die uns von Grenzbeamten zu Grenzbeamten fuehren, um letzlich alle Einreiseformalitaeten zu erfuellen. Ein fuer uns etwas paradoxes Szenario, befindet man sich doch fernab jeglicher Zivilisation.
In der Moregndaemmerung verlassen wir schliesslich Bolivien. Fuer mich ist es das erste Mal, dass ich nach einem gutem halben Jahr Zivildienst, das Land verlasse.
Waehrend der Weiterfahrt in Paraguay wird unser Bus, sowie alle Passagiere, penibelsten Drogen- und Polizeikontrollen unterworfen, da man dieEinfuehrung bolivianischen Kokains befuerchtet. Das ganze Prozedere ist ziemlich laestig. Ausserdem bin ich der Ueberzeugung, das der bedeutende Anteil des gehandelten Kokains, beruhend auf bilateralem Einverstaendnis, abgesichert und geplant die Grenze passiert. So sagt man auch, dass so gut wie jedes in Brasilien konsumierte Gramm Koks, den Weg ueber Paraguay nimmt. Sei es urspruenglich aus Kolumbien, Bolivien oder Peru. Um ein kurzes Wort ueber die paraguayische Wirtschaft zu verlieren, moechte ich in diesem Zusammenhang erwaehnen, das diese zu einem nicht unbedeutendem Teil, von der illegalen Ausfuhr billiger Elekronikwaren, Tabak und Alkohol in das benachbarte Brasilien, getragen wird. Die bekannte „Puente de la Amistad“ (Bruecke der Freundschaft“) verbindet Paraguay mit Brasilien. Die beiden Laender werden an dieser Stelle nur durch den Río Paraná (Fluss) voneinander getrennt. Die Bruecke ist taeglich voll mit herumwuselnden paraguayischen Verkauefern, die eilig billige Waren nach Brasililien tragen, um diese dort zu verscherbeln. Bei Razzien landet saemtliches Verkaufsmaterial im Río Paraná, bevor die Polizei etwas nachweisen kann…
Zurueck zu uns. Gegen abend erreichen wir nach einer langen und anstrengenden Fahrt die Hauptstadt Asunción. Nachdem wir ein preiswertes Hotel gefunden haben, machen wir uns auf, um noch etwas zu Abend zu essen. Ueberrascht muessen wir feststellen, dass um halb elf nur noch einziges Restaurant Essen serviert und das Stadtzentrum ohnehin wie ausgestorben wirkt. Ein etwas ernuechternder Eindruck fuer eine Stadt, die das absolute Zentrum des Landes repraesentiert und in deren Ballungsraum an die zwei Millionen Menschen leben.
Aehnlich verhaelt es sich in den naechsten zwei Tagen, die wir in Asunción verbringen.
Das einzig Auffaellige ist die, einen foermlich erdrueckende Hitze. Selbst bei Nacht faellt das Thermometer nicht unter 32/33˚C, was es meinen sehnlichsten Wunsch sein werden laesst, nackt durch die Strassen zu rennen, um mich irgendwie abzukuehlen.
Nach dem eher unspektakulaeren Aufenthalt in der paraguayischen Hauptstadt, sind wir nun in Puerto Iguazu, einer argentinischen Kleinstadt am Rande des Río Iguazu. Wir befinden uns am Dreilaendereck Paraguay-Argentinien-Brasilien, um die groessten Wasserfaelle der Welt zu bestaunen. Die Iguazu-Wasserfälle bestehen aus 270 einzelnen Fällen, von denen sich einige bis zu 82m in dieTiefe stuerzen.
Neben jenem beeindruckenden Naturspektakel, kommen wir am Abend zum ersten Mal auf dieser Reise, in den Genuss wunderbar schmeckender argentinischer Rindsteaks, die wir uns selbst zubereitet haben. Ein paar gewuerzte Tomaten reichen hier als Beilage vollkommen aus…
Laue Sommernaechte geniessend, verweilen wir am hosteleigenen Pool. Endlich kann man die Waerme geniessen, die ich in La Paz vermisse und in Asuncion verabscheue.
Es folgt Brasilien sowie Argentinien…
